Samstag, 19. Dezember 2009

Saint-Malo, bretonische Korsarenstadt am Ärmelkanal



"Ni Francais, ni Breton, Malouin suis!"

"Bin weder Franzose, noch Bretone, ich bin ein Bürger von Saint-Malo!" Stolzer Ausspruch der stolzen Bürger einer stolzen Stadt: Saint-Malo, alte Korsarenhochburg an der französischen Küste des Ärmelkanals.

Saint-Malo (bretonisch Sant-Maloù) ist eine Stadt in der Bretagne im Nordwesten Frankreichs im Département Ille-et-Vilaine. Berühmt wegen ihres historischen Stadtkerns und ihrer Festungsanlagen ist sie einer der meistbesuchten Touristenorte Frankreichs.

Saint-Malo liegt an der Côte d'Émeraude (deutsch: Smaragd-Küste) im Norden der Bretagne, an der Mündung des Flusses Rance, gegenüber dem Badeort Dinard. Der historische Stadtkern intra muros (innerhalb der Stadtmauern) macht etwa 20 % der Gesamtfläche der Stadt aus und wird von drei Seiten vom Wasser umspült.

Im August 1944, nach der Landung der Alliierten in der Normandie, wurde Saint-Malo zu etwa 85 Prozent durch Bombardierungen zerstört, da der damalige Festungskommandant Oberst Andreas von Aulock sich weigerte zu kapitulieren. Im Gegensatz zu anderen stark zerstörten Städten bemühte sich Saint-Malo aber um einen möglichst originalgetreuen Wiederaufbau, der auch sehr gut gelang. Man muß schon genau hinsehen, um zu erkennen, daß viele der "historischen" Bauwerke Neubauten sind.

An die alte Korsaren-Vergangenheit erinnert noch heute mancher Segler, der im Hafen von Saint-Malo vor Anker liegt.

In dem Zusammenhang: Korsaren waren keine Piraten! Korsaren waren Freibeuter im Auftrag des Staates. Ausgestattet mit einem Kaperbrief (Lettre de course) und legitimiert feindliche Handelsschiffe aufzubringen.

Das Korsarentum wurde erst im Jahre 1856 mit der Seerechtsdeklaration von Paris abgeschafft. Bis dahin war der Korsar ein, wenn auch "privater", Kriegsteilnehmer bei feindseligen Auseinandersetzungen.

Einer der berühmtesten Korsaren aus Saint-Malo, Robert Surcouf, ist die Hauptfigur von Karl May's Roman "Der Kaperkapitän".

Ein Denkmal von Surcouf steht auf den Remparts, den Festungswällen. Sein Grab auf dem Friedhof des Stadtteils Paramé ist nicht ganz so leicht zu finden. Obwohl es eines der beeindruckendsten Grabmale auf diesem alten Friedhof ist.

Saint-Malo hat mit einem Gezeitenunterschied von 14 Metern die höchste Flut der Welt. Drei der vorgelagerten Inseln Grand Bé, Petit Bé sowie das Fort National (Festungsbau durch Vauban 1689) sind daher bei Ebbe zu Fuß erreichbar. In der Flussmündung der Rance befindet sich das größte Gezeitenkraftwerk der Welt.

Der enorme Gezeitenunterschied legt bei Ebbe einen der schönsten Sandstrände Frankreichs frei. Bei Flut ist der komplett unter Wasser. Und wenn, zu den Tag- und Nacht-Gleichen, Springflut ist, dann geht bei Sturm das Wasser auch über die Straße auf dem Sillon, den Damm, der die Altstadt, die Ville Close auf ihrer Insel, mit dem Festland verbindet.


Auf dem Sillon befinden sich auch Hotels und kleine gemütliche Restaurants.


Und direkt vor dem Sillon der Strand. Die Holzpfähle aus ganzen Baumstämmen sind übrigens Wellenbrecher, die verhindern sollen, dass eine auflaufende Sturmflut völlig ungebremst gegen die Kaimauer geht. Und wer noch nie eine Sturmflut erlebt hat, dem sei Saint-Malo empfohlen. Wir haben bei unseren verschiedenen Aufenthalten dort schon die ein oder andere erlebt.




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